Vitae Free · Entspannung & Mindset

Loslassen & Kraft tanken

Wie du an heißen, vollen Tagen weniger festhältst und deine Energie wieder bewusst einsetzt

WAS DICH ERWARTET

  • Warum Festhalten so viel Energie bindet – und Loslassen nicht dasselbe ist wie Aufgeben
  • Woran du erkennst, dass dein Körper und dein Kopf eine echte Pause brauchen
  • Eine einfache Methode, um Kontrolle, Einfluss und Unveränderbares zu unterscheiden
  • Sieben kleine Schritte, mit denen du im Alltag loslassen und Kraft tanken kannst
  • Wie Journaling, Achtsamkeit und ein ruhiger August-Rhythmus dich unterstützen können

Im August….

wirkt vieles leichter: Die Tage sind lang, Termine verschieben sich und der Alltag läuft vielleicht etwas langsamer. Gleichzeitig tragen viele Familienmenschen ihre offenen Aufgaben einfach mit in den Sommer. Im Kopf bleibt die Liste voll, obwohl der Körper bei Hitze längst nach einem niedrigeren Tempo verlangt.

Loslassen klingt dann schnell wie ein weiterer Auftrag: weniger denken, gelassener sein, endlich abschalten. Doch so funktioniert es selten. Loslassen bedeutet nicht, Gefühle wegzudrücken oder Verantwortung abzugeben. Es bedeutet, ehrlich zu unterscheiden: Was kann ich beeinflussen, was braucht eine Entscheidung – und woran binde ich gerade Kraft, ohne etwas verändern zu können?
 
Dieser Beitrag zeigt dir sieben kleine Schritte, mit denen du Loslassen und Kraft tanken alltagstauglich verbinden kannst. Du brauchst dafür weder einen freien Nachmittag noch eine perfekte Morgenroutine. Ein paar bewusste Minuten reichen, um aus dem inneren Autopiloten auszusteigen und wieder handlungsfähiger zu werden. Achtsamkeit kann dabei helfen, Reaktionen zunächst wahrzunehmen, bevor du automatisch weitermachst. [1]

Dein Vitae Freebie

kostenloses Achtsamkeitstagebuch mit Journaling-Fragen und Loslass-Liste für heiße Tage.

Loslassen lernen & was es wirklich bedeutet

Loslassen ist kein einzelner Entschluss, nach dem ein Gedanke oder ein Gefühl sofort verschwindet. Es ist eher eine wiederholte Entscheidung, nicht mehr gegen jede unangenehme Realität anzukämpfen. Du darfst weiterhin traurig, enttäuscht, erschöpft oder wütend sein. Der Unterschied liegt darin, ob du zusätzlich versuchst, diese Reaktion zu verurteilen oder vollständig zu kontrollieren.

Eine achtsame Haltung richtet die Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Moment, möglichst ohne das Wahrgenommene sofort in „gut“ oder „schlecht“ einzuteilen. Dadurch kann zwischen Reiz und Reaktion ein kleiner Abstand entstehen. Genau dieser Abstand schafft Wahlmöglichkeiten: Muss ich jetzt handeln? Brauche ich eine Grenze? Oder darf etwas für heute unfertig bleiben? [1]

Die WHO beschreibt in ihrem Stressmanagement-Leitfaden unter anderem das „Bemerken und Benennen“, das Lösen von belastenden Gedanken und das Ausrichten an den eigenen Werten als praktische Selbsthilfefertigkeiten. [2] Im Alltag bedeutet das: Du musst einen Gedanken nicht bekämpfen, um ihm weniger Macht zu geben.

Loslassen ist nicht dasselbe wie aufgeben

Aufgeben heißt: „Es hat ohnehin keinen Sinn.“ Loslassen heißt: „Ich sehe, was gerade möglich ist, und setze meine Kraft dort ein.“ Du kannst also sehr verantwortungsvoll handeln und trotzdem aufhören, alles gleichzeitig festhalten zu wollen.

Ein Beispiel: Du kannst nicht kontrollieren, ob ein Kind gut gelaunt aufsteht, ob eine Kollegin rechtzeitig antwortet oder ob die Nacht erholsam wird. Du kannst aber beeinflussen, wie voll du den Morgen planst, welche Unterstützung du einforderst und ob du nach einer schlechten Nacht deinen Tag anpasst.

Methodenkoffer

Wahrnehmen, loslassen & Kraft sammeln

Drei praktische Methoden, die dir helfen, innezuhalten, Belastendes einzuordnen und bewusst zu entscheiden, was jetzt wirklich wichtig ist.

Frage dich bei innerem Druck:

Diese Fragen lösen nicht jedes Problem. Sie helfen aber, aus einem diffusen Belastungsgefühl wieder eine konkrete Entscheidung zu machen.

  1. Du springst gedanklich zwischen vielen Aufgaben, ohne eine davon ruhig zu beenden.
  2. Kleine Änderungen machen dich ungewöhnlich gereizt oder bringen dich aus dem Gleichgewicht.
  3. Du bemerkst Durst, Hunger, Müdigkeit oder Anspannung erst sehr spät.
  4. Freizeit fühlt sich wie ein weiteres Projekt an, das „gelingen“ muss.
  5. Du hältst an einem Plan fest, obwohl er heute offensichtlich mehr Kraft kostet als Nutzen bringt.

Diese Zeichen sind keine Diagnose. Sie sind eine Einladung, kurz anzuhalten und den nächsten Schritt kleiner zu machen.

  1. Stoppe kurz. Unterbrich für einen Moment, was du gerade tust. Stelle beide Füße auf den Boden oder lehne dich bewusst an.
  2. Bemerke und benenne. Sage innerlich: „Da ist Druck“, „Da ist Ärger“ oder „Da ist der Gedanke, dass ich alles schaffen muss.“ Das Benennen schafft Abstand, ohne die Erfahrung kleinzureden. [2]
  3. Prüfe deinen Körper. Sind Schultern, Kiefer oder Hände angespannt? Ist dir heiß? Hast du Durst? Körperliche Grundbedürfnisse verdienen zuerst eine einfache Antwort.
  4. Ordne ein. Gehört das Thema zu Kontrolle, Einfluss oder Akzeptanz? Nur der erste Bereich verlangt sofortiges Handeln
  5. Wähle eine Mini-Handlung. Ein Glas Wasser, fünf Minuten Schatten, eine Nachricht, eine Grenze oder eine Aufgabe weniger.
  6. Lass eine Sache bewusst offen. Nicht versehentlich, sondern entschieden: „Das bearbeite ich morgen“ oder „Das muss heute nicht perfekt werden.“
  7. Kehre zum Wesentlichen zurück. Frage dich: „Was soll trotz dieses Stresses heute spürbar bleiben?“ Vielleicht Verbindung, Ruhe, Fürsorge oder Verlässlichkeit.

Warum Festhalten so viel Kraft kostet

Stress ist zunächst eine normale Reaktion auf Anforderungen. Problematisch wird er, wenn Belastung andauert und Erholung dauerhaft zu kurz kommt. Regelmäßige Unterbrechungen, Schlaf, soziale Kontakte und Entspannungsmethoden helfen dabei, Kraftreserven wieder aufzufüllen. [3][4]
 
Festhalten zeigt sich nicht nur in Gedanken. Vielleicht spannst du unbemerkt Kiefer und Schultern an, überprüfst Nachrichten immer wieder oder versuchst, jede mögliche Schwierigkeit im Voraus zu lösen. Das vermittelt kurzfristig Kontrolle, hält das Nervensystem aber in Bereitschaft.
 
Im Sommer kommt eine körperliche Belastung hinzu. Hohe Temperaturen können Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Kreislaufbeschwerden und eine geringere Leistungsfähigkeit begünstigen. [5][6] Wer dann mit dem üblichen Tempo weitermacht, interpretiert ein körperliches Signal leicht als mangelnde Disziplin.

Was liegt in deiner Hand – und was nicht?

Viele innere Konflikte werden leichter, wenn du drei Bereiche auseinanderhältst: Kontrolle, Einfluss und Akzeptanz. Nimm bitte ein Blatt Papier und zeichne drei Spalten.
 
1. Direkt steuerbar: dein nächster Satz, eine Pause, ein Glas Wasser, eine Absage, eine Bitte um Hilfe.
 
2. Beeinflussbar: die Atmosphäre in einem Gespräch, die Vorbereitung auf einen Termin, die Tagesstruktur deiner Familie.
 
3. Nicht steuerbar: das Wetter, die Meinung anderer, Vergangenes oder die spontane Stimmung eines anderen Menschen.
 
Loslassen beginnt meist in der dritten Spalte. Nicht, weil der Inhalt unwichtig ist, sondern weil wiederholtes Grübeln dort keine neue Handlung erzeugt. Richte deine Aufmerksamkeit anschließend bewusst auf einen kleinen Punkt aus Spalte eins.

PRAXISTIPP

Lege heute eine bewusste Loslass-Entscheidung fest: „Für die nächsten 24 Stunden höre ich auf, __ ständig zu kontrollieren.“

Wähle danach einen kleinen Ersatz, der in deiner Hand liegt: ein Gespräch, eine Pause, ein Glas Wasser, eine klare Grenze oder zehn Minuten ohne Bildschirm.

Loslassen wird leichter, wenn die frei werdende Energie eine konkrete Richtung bekommt.

Zwei Minuten für akute Anspannung

Atme ruhig weiter, ohne einen bestimmten Rhythmus erzwingen zu müssen.

Die Übung soll dich nicht „wegmachen“ oder sofort ruhigstellen. Ihr Ziel ist Orientierung: Du bist hier, dein Körper bekommt Informationen aus der Gegenwart und du kannst den nächsten Schritt bewusster wählen.

Journaling als Loslass-Ritual

– ohne Selbstoptimierungsdruck

Schreiben kann helfen, Gedanken aus dem Kopf auf das Papier zu bringen. Es macht sichtbar, was sich ständig wiederholt, welche Bedürfnisse dahinterstehen und an welcher Stelle eine Entscheidung möglich ist. Das österreichische Gesundheitsportal nennt Tagebuchschreiben als eine Möglichkeit, Achtsamkeit und Selbstfürsorge im Alltag zu unterstützen. [1]

Wichtig ist eine realistische Erwartung: Journaling ist kein universelles Heilmittel. Studien zu expressivem Schreiben zeigen unterschiedliche Ergebnisse; für manche Menschen kann es entlastend sein, für andere belastende Gefühle zunächst verstärken. Die Passung zur Person und zur aktuellen Situation spielt eine Rolle. [7]

Beginne deshalb klein. Drei mögliche Fragen für heute sind: „Was trage ich gerade mit mir herum?“, „Was davon liegt nicht in meiner Hand?“ und „Wofür möchte ich meine Kraft stattdessen einsetzen?“ Du musst nicht schön formulieren und nicht jede Frage beantworten.

Wann Schreiben nicht die richtige Methode ist

Wann Schreiben nicht die richtige Methode ist
Beende die Übung, wenn du dich zunehmend überflutet, panisch, stark niedergeschlagen oder innerlich nicht mehr sicher fühlst. Du musst belastende oder traumatische Erlebnisse nicht allein schriftlich „aufarbeiten“.
 
Bei anhaltender psychischer Belastung, Depression, starken Ängsten, Trauma-Folgen oder dem Gefühl, nicht mehr weiterzuwissen, ist fachliche Unterstützung wichtiger als eine Selbsthilfeübung. Achtsamkeitstechniken sollten bei psychischen Erkrankungen nur passend und gegebenenfalls unter klinisch-psychologischer oder psychotherapeutischer Begleitung eingesetzt werden. [1]

Kraft tanken an heißen Tagen

dein einfacher August-Rhythmus


Kraft tanken beginnt….

an heißen Tagen oft nicht mit einer zusätzlichen Entspannungsaufgabe, sondern mit Entlastung. Plane weniger in die heißesten Stunden, suche Schatten oder einen kühlen Ort auf und trinke regelmäßig. Bei Hitze steigt der Flüssigkeitsbedarf; Wasser, Mineralwasser und ungesüßte Getränke sind geeignete Durstlöscher. [5][6]

Auch beim Essen darf es einfacher werden. Leichte Mahlzeiten sollten trotzdem sättigende Bausteine enthalten: zum Beispiel Gemüse oder Obst, eine Eiweißquelle und eine passende Kohlenhydratquelle. So wird aus „Ich habe bei Hitze keinen Appetit“ nicht erst am Abend ein großer Energieeinbruch.

Im Familien-Alltag

Für Familien kann ein Drei-Anker-Tag helfen: morgens Wasser und eine kurze Tagesentscheidung, mittags eine echte Kühl- oder Ruhepause und abends zehn Minuten ohne Bildschirm, in denen nichts organisiert werden muss. Erholung entsteht nicht nur im Urlaub, sondern durch wiederkehrende Unterbrechungen notwendiger Tätigkeiten. [4]
 
 

Beim Sport gilt…..

Intensität und Zeitpunkt an die Temperatur, deinen Schlaf und deinen aktuellen Zustand anpassen. An sehr heißen Tagen sind Bewegung in kühleren Tageszeiten, geringere Intensität oder eine Pause die vernünftigere Trainingsentscheidung. Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Krämpfe oder heiße trockene Haut können Zeichen eines medizinischen Notfalls sein; dann sofort Rettung 144 beziehungsweise 112 verständigen. [5]

Wann du dir Unterstützung holen solltest

Selbstfürsorge reicht nicht immer aus. Hole dir Unterstützung, wenn Anspannung, Erschöpfung, Schlafprobleme, Ängste oder Niedergeschlagenheit länger anhalten, deinen Alltag deutlich einschränken oder du dich mit deinen Gedanken nicht sicher fühlst.
 
In Österreich erreichst du die Gesundheitsberatung unter 1450. In akuten Notfällen gilt 144 beziehungsweise 112. Bei unmittelbarer psychischer Krise oder Suizidgedanken wende dich sofort an eine Krisenstelle, die Rettung oder eine vertraute Person und bleibe nicht allein.

Membership

Founding Member Aktion

Soft Start: Die Founding-Member-Aktion ist auf die ersten 100 Mitglieder begrenzt

€ 5,90 statt € 14,90/Monat

FAQ


Was bedeutet Loslassen im Alltag?
Loslassen bedeutet, zwischen dem zu unterscheiden, was du steuern kannst, was du nur beeinflussen kannst und was du akzeptieren musst. Es geht nicht um Gleichgültigkeit, sondern darum, deine Kraft wieder auf wirksame Handlungen zu richten.


Quellen und fachliche Grundlagen
1. Öffentliches Gesundheitsportal Österreich: Achtsamkeit. Letzte Aktualisierung 11.04.2025. https://www.gesundheit.gv.at/leben/stress/achtsamkeit.html (abgerufen am 22.07.2026).
2. World Health Organization: Doing What Matters in Times of Stress – An Illustrated Guide. 2020. ISBN 978-92-4-000391-0. https://www.who.int/publications/i/item/9789240003927 (abgerufen am 22.07.2026).
3. Öffentliches Gesundheitsportal Österreich: Stress bewältigen. https://www.gesundheit.gv.at/leben/stress/entspannt-bleiben.html (abgerufen am 22.07.2026).
4. Öffentliches Gesundheitsportal Österreich: Erholung im Alltag & Urlaub. https://www.gesundheit.gv.at/leben/stress/urlaub.html (abgerufen am 22.07.2026).
5. World Health Organization: Heat and health. Aktualisiert am 13.07.2026. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/climate-change-heat-and-health (abgerufen am 22.07.2026).
6. Öffentliches Gesundheitsportal Österreich: Essen & trinken bei Hitze. https://www.gesundheit.gv.at/leben/umwelt/gesund-bei-hitze/essen-hitze.html (abgerufen am 22.07.2026).
 
7. Niles AN, Byrne Haltom KE, Mulvenna CM, Lieberman MD, Stanton AL: Randomized controlled trial of expressive writing for psychological and physical health: the moderating role of emotional expressivity. Anxiety Stress Coping. 2014;27(1):1–17. doi:10.1080/10615806.2013.802308.
 
8. National Center for Complementary and Integrative Health: Meditation and Mindfulness – Effectiveness and Safety. https://www.nccih.nih.gov/health/meditation-and-mindfulness-effectiveness-and-safety (abgerufen am 22.07.2026).


Entdecke mehr von Vitae Wien

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Ähnliche Beiträge